Archives
Artikel-Schlagwörter
… die letzten Artikel
 

Kursfahrt 2017 in „Die goldene Stadt“ Prag

Einblicke ins tschechische Weltkulturerbe Praha

Die  letzte Reise während unserer Schulzeit führte uns, die Kurse des Abiturjahrgangs 2018, in die wunderschöne, historische Hauptstadt der Tschechischen Republik, Prag.  Voller Vorfreude und mit großen Erwartungen starteten wir  zu Beginn der zweiten Maiwoche unsere viertägige Tour. Für viele war es die erste Reise in die schöne Stadt an der Moldau.

Trotz strömenden Regens während  der Fahrt blieb die Stimmung gut und wir  kamen mittags überpünktlich in Prag an. Sogleich ging es hoch zum Kloster Strahov und wir hatten  die Möglichkeit, einen kurzen Ausblick vom Gelände des Klosters  über die Stadt zu genießen.

Danach begann die  Stadtführung an einer der berühmten Moldau-Brücken. Sie sollte drei Stunden dauern! Die erste interessante Station war der  1000 Jahre alte jüdische Friedhof. Dort lagern die Gebeine der jüdischen Verstorbenen in bis zu neun Schichten übereinander, obenauf mit kunstvollen Grabsteinen versehen, so dass sich circa 200.000 Gräber im Laufe der Zeit ansammelten, da es  in der jüdischen Tradition nicht üblich ist, die Gräber  nach einer bestimmten Zeit zu beräumen. Jede Menge Touristen, aber auch bewundernswerte Straßenkünstler begegneten uns auf einem der Wahrzeichen der Stadt-der Karlsbrücke mit dem Karlstor als Vorbau. Mit ihrer Erbauung bereits im 14. Jahrhundert war sie lange Zeit die einzige Verbindung zwischen der Altstadt und der Kleinseite Prags und ist zugleich eine der ältesten Steinbrücken Europas. Von nun an ging es auf dem Königsweg Karlova durch enge Gässchen mit verführerischen Düften immer weiter hinein in die Altstadt in Richtung des Altstädter Rings. Dieser älteste Marktplatz Prags beeindruckte uns mit seinen ihn umgebenden Gebäuden, wozu das historische Rathaus mit seinem 70m hohen Turm und der berühmten astronomischen Uhr aus dem Jahr 1410, die Teynkirche, die St. Nikolaus-Kirche, die mittig platzierte Statue des Nationalheiligen Jan Hus sowie weitere sehenswerte Gebäude  zählen.  Von dort aus folgten wir unserem Guide zum berühmten Wenzelsplatz, in der Neustadt gelegen, dem größten und belebtesten Platz der Stadt, der ringsum von Einkaufspassagen gesäumt ist.  Hier spielten sich 1969 dramatische Szenen ab, als sich  der Student Jan Pallach aus Protest gegen den Einmarsch der Truppen des Warschauer Paktes und damit der Niederschlagung des Prager Frühlings selbst verbrannte.  Die hier beginnende Shoppingmeile ist geprägt von Gebäuden aus zahlreichen Jahrhunderten, insbesondere des Jugendstils, wovon wir uns mit einem Blick in das wunderschöne Cafe´ des Repräsentantenhauses überzeugen konnten. Noch fasziniert von imposanten Kronleuchtern und erfreut über die kurze Aufwärmung, passierten wir den 65m hohen Pulverturm, um zum Haus der Schwarzen Madonna zu gelangen. Wenn auch erst auf den zweiten Blick erkennbar, ist dies das erste kubistische Wohnhaus Europas. Nach nochmaligem Überqueren des Altstädter Rings begaben wir uns zum Bus, der uns in unser Hotel bringen sollte. Die dreistündige Stadtführung war schneller als gedacht absolviert und wir hatten schon viel von Prags Sehenswürdigkeiten kennengelernt. 

Gegen 19.00 Uhr erreichten wir zur Freude aller unser  4-Sterne Hotel Galaxie, wo uns schon ein reichhaltiges Buffet erwartete. Aufgrund des langen Tages verbrachten viele  den Abend in geselliger Runde auf den Zimmern und suchten  freiwillig ihren Schlafplatz auf.

Auch am Dienstag erwartete uns ein vielseitiges Programm, so dass wir nach einem zeitigen Frühstück und einstündiger Busfahrt gegen 10.00 Uhr schon an unserem nächsten Ausflugsziel eintrafen: dem Skoda-Werk in Mlada Boleslav. Hier arbeiten immerhin 8000 Beschäftigte im Drei- Schicht-System. Nachdem im Jahr 1895 Vaclav Laurin und Vaclav Klement hier mit der Produktion von Fahrrädern und später auch Motorrädern sowie Automobilen begonnen hatten, fusionierte die Gesellschaft 1925 mit dem Maschinenbaukonzern Skoda und wurde zum wichtigsten tschechischen Automobilhersteller. Seit 1991 gehört der Konzern zur Volkswagen AG und  der Standort entwickelte sich  zum Stammwerk des Unternehmens mit modernster Technologie, aber auch einem Werksmuseum.

Erstaunt waren wir über die Besuchermassen, die das Werk,  genau wie wir, besichtigen wollten. So mussten wir ein wenig Wartezeit in Kauf nehmen, die aber  genutzt wurde, um die wunderschönen Oldtimer zu bestaunen.

Wir wurden  in Gruppen aufgeteilt und konnten  das Produktionsgelände mit den unterschiedlichen Werkshallen und  das interessante Museum besichtigen. So erlebten wir, wie zunächst die Bleche für die Karosserien gepresst und am Ende die Innenausstattung in Fleißbandarbeit montiert wurde. Trotz anfänglicher Zweifel, insbesondere der weiblichen Teilnehmer, waren wir uns einig, dass der Besuch bei „Skoda“ sehr beeindruckend war. 

Dem straffen Zeitplan verpflichtet, machten wir uns sogleich auf den Rückweg nach Prag, um rechtzeitig für unsere Führung im Kafka-Museum anzukommen.

Als Besucher von Prag, der Geburtsstadt Franz Kafkas, durfte als Teil unseres kulturellen Programmes selbstverständlich das ihm gewidmete, am Moldauufer gelegene Museum nicht fehlen. Trotz begrenztem Platz wurde hier mittels Worten, Bildern, Licht und Klängen auf eindrucksvolle Art und Weise das als „Hassliebe“ beschriebene Verhältnis des Schriftstellers zu seiner Heimatstadt nachempfunden. Als Sohn eines wohlhabenden jüdischen Kaufmannes wurde er 1883 geboren und kämpfte zeitlebens mit seinem schwierigen Verhältnis zu seinem Vater. Neben seinem Studium in Germanistik und Jura und seinem späteren Beruf als Angestellter einer Versicherungsgesellschaft schuf Kafka seine unverwechselbaren deutschsprachigen Novellen und Romane. Diese sind geprägt von undurchschaubaren Beziehungen und unklaren Strukturen der Personen und Orte, so z.B. in den bekanntesten Werken „Das Urteil“ , „Der Prozess“ oder „Die Verwandlung“. Trotz vieler oft kurzweiliger Beziehungen zu Frauen lebte er psychisch sehr isoliert und hatte nur wenige Menschen, denen er sich anvertraute. Dies spiegelt auch die interessante Konzeption des Museums wider. Die Atmosphäre wirkte sehr bedrückend und düster. Aufgrund einer jahrelangen Lungenerkrankung  starb der Schriftsteller 1924 im Sanatorium in Wien.

Nach Beendigung dieser aufschlussreichen Museumsführung bekamen wir Zeit, die Stadt auf eigene Faust zu erkunden.  Auch an diesem Abend aßen wir im Hotel und ließen den Tag fröhlich ausklingen.

Am Donnerstag durften wir etwas länger schlafen, um nach einem reichhaltigen  Frühstück zum Wahrzeichen der Stadt, der Prager Burg, aufzubrechen. Der  Vormittag stand ganz im Zeichen der Geschichte des politischen und geistigen Zentrums  des Landes und der zugleich größten Burganlage der Welt, dem Hradschin. Als ein Teil der jährlich über 1 Million Besucher durchstreiften  wir  die einstige Residenz böhmischer Fürsten und Könige, die bereits im 9. Jahrhundert gegründet wurde. Heute dient sie als Amtssitz des tschechischen Präsidenten und  umfasst  rund 60 Gebäude, welche im Laufe der Jahrhunderte hinzukamen. Zumindest die bedeutsamsten davon konnten wir begehen und bestaunen, beispielsweise den St.-Veits-Dom mit seinen eindrucksvollen Buntglasfenstern oder den früheren Königspalast mit dem wohl berühmtesten Fenster der Burg. Dieses erhielt seinen Ruhm durch den  folgenreichen  „Prager Fenstersturz“ 1618, welcher den Dreißigjährigen Krieg auslöste. Durch das „Goldene Gässchen“ begaben wir uns zum Ausgang der Burg. Unterwegs konnte man noch Folterinstrumente vergangener Zeiten ansehen, bevor alle aufbrachen, um ihre Freizeit in der Stadt zu verbringen. Inzwischen hatte sich das Wetter zum Besten gewandelt und Prag zeigte sich wirklich von seiner „goldenen“ Seite.

Am Abend erwartete uns eine weitere Prager Attraktion, eine Vorführung im typisch tschechischen Schwarzlichttheater. Mit raffinierten optischen Täuschungen und mit Hilfe von Computeranimationen zeigten die Künstler   Erscheinungen der Galaxie und die Schönheit des Universums.  Nach diesem beeindruckenden Theaterbesuch waren wir erst spät im Hotel zurück und erlebten einen netten Abschlussabend.

Am Donnerstag ging es dann schon wieder zurück Richtung Arnstadt.

Es stand noch der Besuch im ehemaligen Konzentrationslager Theresienstadt auf dem Programm, ein Erinnerungsort aus der dunkelsten Zeit der Geschichte. Die einst von den Habsburgern erbaute „Kleine Festung“ zum Schutz vor den Preußen wurde sie unter den Nationalsozialisten als Gestapo-Gefängnis umfunktioniert und die eigentliche Stadt zum Ghetto für zehntausende Juden. Wir besichtigten die Gebäude, in denen sich viel menschliches Elend abgespielt hatte, und sahen eine Dokumentation zu den Ereignissen während der NS-Zeit. Nach der Besichtigung dieses einprägsamen Ortes ging es nun nach Hause.

Zum Abschluss lässt sich sagen, dass wir vier abwechslungsreiche Tage hatten, mit  einem guten Mix aus kulturellen Angeboten, viel Wissensvermittlung, immerhin war das Motto „Lernen am anderen Ort“, aber auch genügend freier Zeit, um jede Menge von Prag kennenzulernen. Der  eine  oder andere Teilnehmer äußerte die Meinung, dass es wohl nicht der letzte Prag-Besuch gewesen sei.

Johanna Esche , A18/11b

 

© 2017, Staatliches Gymnasium "MELISSANTES" Arnstadt.

Artikel drucken ...     PDF-Version ...    


Schlagwörter: , ,

Artikel erstellt: Dienstag, 6.Juni 2017, 17:05 Uhr• Kategorie: Artikel

zum Seitenanfang