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Point Alpha – Geschichtsunterricht einmal anders

Für gewöhnlich lernen Schüler in der Schule. Doch dieses Mal wurde unser Geschichtsunterricht an einen historischen Ort verlegt. Wir, die Schüler der 11.Klassen des Staatlichen Gymnasiums Arnstadt, machten uns letzten Mittwochmorgen auf den Weg nach Geisa, einem kleinen Dorf an der thüringisch-hessischen Landesgrenze. Begleitet wurden wir Jugendlichen von zwei Geschichtslehrerinnen und dem Direktor der Volkshochschule Herrn Hahn.

Nach der Begrüßung durch die Bundesbeauftragten für die Unterlagen der Staatssicherheit Suhl, der BstU, lernten wir den Aufbau dieser Behörde und deren Funktionsweise kennen. So bereiten die Beauftragten zum Beispiel alte, teilweise auch kaputte Stasi-Akten wieder auf, um sie kostenlos für ehemalige DDR-Bürger zugänglich zu machen oder für Projekte wie diese zu nutzen.

Der zweite Programmpunkt unseres ganztägigen Ausflugs war die “Aufklärung” über das Ministerium für Staatssicherheit, des MfS, am Beispiel der Grenztruppen der NVA. Dort gab es nicht nur hauptamtliche, sondern auch informelle Mitarbeiter. Die Ausbildung der Hauptamtlichen erfolgte an einer extra dafür errichteten Hochschule. Auch wurde uns erzählt, dass es in einer 80 – 100 Mann starken Kompanie bis zu 10% IM gab.

Dieser Themenkomplex wurde durch einen eindrucksvollen Film über ein kleines Dorf in Deutschland, Mödlareuth, das durch die Grenze geteilt wurde, beendet. Informationen erhielten wir auch über verschiedene “Grenztypen”, die man immer weiter spezialisierte.

In der einstündigen Mittagspause konnten wir selbstständig das US-Camp inspizieren, was zwar nicht zu unserem Thema an diesem Tag gehörte, aber deswegen nicht minder interessant war. Denn Point Alpha galt als einer der vier Beobachtungspunkte der NATO bis zum Fall des “Eisernen Vorhangs”. Auf dem Stützpunkt sind noch alte Helikopter, Panzer und Geländewagen zu sehen. Auch ein Aussichtsturm, von dem man eine gute Sicht haben konnte, steht auf dem Gelände. In den alten blau-weißen Baracken kann man kleine Dauerausstellungen zum Kalten Krieg anschauen, unter anderem verschiedene amerikanische Uniformen.

Am Nachmittag durften wir unter fachkundiger Anleitung in authentische Stasi-Akten blicken. Aus diesen bekamen wir Einblicke in das Leben zweier 15-jähriger Jungen, die eine Flucht aus der DDR versuchten. Ihr Fluchtversuch endete für einen der beiden sogar tödlich.

Schrecklich war zu lesen, wie Eltern, Angehörige und Mitschüler davon erfuhren, und wie die Staatssicherheit diesen Vorfall vor der Umwelt darstellte.

Im Anschluss an diese emotional aufwühlende Akteneinsicht folgte ein Zeitzeugengespräch mit einem Menschen, der zweimal versuchte aus der DDR zu fliehen. Seine erste Flucht plante er zusammen mit 14 anderen jungen Männern, die zweite versuchte er mit einem Freund. Dabei wurde er 11 Mal ins Bein geschossen, und man traf ihn an der Hauptschlagader. Nach beiden misslungenen Fluchtversuchen musste er eine Gefängnisstrafe absitzen. Durch die vielen genauen Details, an die sich der Zeitzeuge noch erinnert, konnten wir uns gut in seine Lage versetzen und sein früheres Leben verstehen.

Den Abschluss unserer Exkursion bildete ein Besuch im Museum “Haus auf der Grenze”. Dort wird das Leben der Bevölkerung an und mit der Grenze gezeigt. Außerdem sind Zeitzeugenberichte, Exponate aus dieser Zeit, wie Waffen, Minen und Kleidung der Offiziere, aber auch ein Modell der Grenze, zu sehen.

Besonderen Dank möchten wir an das Thüringer Kultusministerium und die Volkshochschule Arnstadtd-Ilmenau richten, die uns diesen Besuch kostenfrei ermöglichten. Auch bei unseren Lehrern möchten wir uns bedanken, dass sie uns begleitet haben.

Lisa Rosenkranz, A11a

© 2009, Staatliches Gymnasium Arnstadt.

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Artikel erstellt: Mittwoch, 4.November 2009, 20:26 Uhr• Kategorie: Artikel

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