Geschichte hautnah
So empfanden die Schüler der 9.Klassen des Staatlichen Gymnasiums Arnstadt die Veranstaltung mit Frau Inge Franken und Frau Salomea Genin, die Mitglieder der Organisation „One by One” sind.
Beide wuchsen in der Zeit des Nationalsozialismus auf. Sie waren angereist mit einem kleinen Koffer voller Dokumente, Bilder und Briefauszügen von und über ihre Familien. Wir durften diese lesen, Fragen stellen und erfuhren so einiges über ihre Familien – für uns spannend, aber auch erschreckend und traurig. Wir waren überrascht, wie weit uns beide Frauen in ihre Familien „hineinsehen” ließen und wie offen sie über ihre Gedanken und Gefühle sprachen. Das erleichterte es uns, Fragen zu stellen zu Problemen, Gefühlen und Befindlichkeiten. Besonders interessierte uns, wie Frau Franken mit der Tatsache fertig wurde, dass ihr Vater, an den sie nur gute Erinnerungen hat, überzeugt davon war, dass in Nazi-Deutschland alles richtig war, und er nicht nur Mitläufer sondern auch Akteur war. Auch Tatsache, dass ihre Mutter viele Jahre erst weggesehen hat und dann die Wahrheit verschwiegen hat. Wir konnten spüren, dass es sicher lange gedauert hat, diesen Teil der Familiengeschichte zu verarbeiten und dass die Auseinandersetzung eigentlich noch bis heute erfolgt. Wir stimmen mit beiden Frauen überein, wenn sie sagen, für diesen Teil der Geschichte tragen wir keine Schuld, aber wir sind dafür verantwortlich, dass solch Grauen und Unrecht, wie es Frau Genin sehr anschaulich am Beispiel ihrer Kindheitserlebnisse und ihrer Familie erzählte, sich nicht wiederholen dürfen. Obwohl Frau Genin ruhig und distanziert von den Ereignissen sprach, die zum Teil als nüchterne Fakten aus dem Geschichtsunterricht bekannt waren, berührten uns ihre Darstellungen sehr. Überrascht hat uns auch die herzliche Freundschaft der beiden Frauen. Sie erklärten uns, dass dies erst möglich wurde dadurch, dass die eine sich befreit hat von ihrer vermeintlichen Schuld und die andere sich nicht nur als Opfer und Jüdin, sondern als ganz normalen Menschen sieht. Beide Frauen regten an, uns doch auch näher und gründlicher mit unserer eigenen Familiengeschichte zu beschäftigen, so lange noch UrgroßeItern und Großeltern davon erzählen können. Einige Schüler von uns konnten schon Einiges zum Thema aus ihren Familien beisteuern.
Wir bedankten uns bei unseren Gästen für die wirklich gelungenen Stunden, die uns sicher noch öfters beschäftigen werden, mit Applaus. Dass sie möglich wurden, ist der Stadtjugendpflege Arnstadt zu danken, die hierfür Mittel aus dem Bundesprojekt „Vielfalt tut gut” erhielt.
© 2009, Staatliches Gymnasium Arnstadt.
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Schlagwörter: Event, Geschichte, Judentum
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Artikel erstellt: Mittwoch, 8.April 2009, 12:07 Uhr• Kategorie: Artikel |








