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Geschichte einmal anders – das One-By-One-Projekt

In der Woche vom 23. bis zum 27. März 2009 hatten die Schüler der neunten Klassen des staatlichen Gymnasiums Arnstadt die Chance, die Geschichte des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs aus einem vollkommen neuen Blickwinkel zu betrachten. Im Zuge des One-By-One-Projekts bekamen sie Besuch von Inge Franken und Salomea Genin, die für die Schüler eine ganz besondere Geschichtsstunde geplant hatten.
„One-by-One“, ein Projekt, das 1995 in Amerika gegründet wurde, soll Familien, die in der Zeit des Nationalsozialismus lebten, bei der Verarbeitung ihrer Schicksale unterstützen. Seit einigen Jahren machen Menschen, die selbst solche Schicksale zu bewältigen hatten und diese Zeit erlebt haben, Schulbesuche, um den Schülern ihre persönliche Geschichte zu erzählen und sie zu ermutigen, über dieses Thema zu reden.
Inge Franken und Salomea Genin sind solche Menschen. Mit den Schülern setzten sie sich in einem Stuhlkreis zusammen und erzählten ihnen mit beeindruckendem Erinnerungsvermögen und voller Emotionen von ihrem Leben vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg. So erfuhren sie im Gespräch, was sonst nur in Geschichtsbüchern zu lesen ist. Auch die Schüler sollten dabei angeregt werden, ihre eigene Familiengeschichte zu erforschen. Als Anschauungsmaterial hatten die Frauen einen Koffer mit Familienfotos, Dokumenten, Zitaten aus Briefen von Inges Vater an ihre Mutter, Bildern und Aussagen aus der Zeit des Nationalsozialismus mitgebracht, der bei den Schülern für großes Interesse sorgte. Jeder durfte sich eines dieser Dokumente auswählen, das ihn am meisten interessierte und sollte anschließend dazu sprechen.
Salomea und Inge gewährten damit tiefe Einblicke in ihre eigene Vergangenheit. Inge, Autorin eines Buches über jüdische Waisen im Zweiten Weltkrieg, lernte ihren Vater nie kennen. Er trat 1933 in die NSDAP ein, war Mitglied der SA und Offizier. Ihre Familie schwieg über diese Zeit, ihre Mutter verneinte die Tat des Vaters. Doch als sie selbst Briefe des Vaters las, erfuhr sie die Wahrheit. Salomea ist Jüdin und hat in ihrer Jugend die Unterdrückung der Juden am eigenen Leib erfahren müssen. Im Nachhinein sagt sie: „Ich dachte immer, ich wäre furchtlos, aber später spürte ich, dass ich die Angst verdrängt habe.“ Vier Stunden lang konnten die Schüler ihren beiden interessanten Gästen Fragen stellen und mit ihnen ins Gespräch kommen.
Das Thema Nationalsozialismus wurde von zwei verschiedenen Standpunkten beleuchtet, dem der Täter und dem der Opfer, vor allem wurde aber auch gezeigt, wie zwei Menschen mit so unterschiedlicher Vergangenheit freundschaftlich miteinander umgehen und einander helfen können. „Lange Zeit habe ich die Schuld getragen.“, so Inge. Aber seit sie sich bei „One-By-One“ engagiert, hat sie ein anderes Wort als Schuld – „Verantwortung“. Zum Schluss sangen alle gemeinsam einen englischen Schlager aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, wobei Salomea zu Tränen gerührt war.


geschichtsprojekt-hautnah


Die Schüler fanden das Projekt sehr interessant und auch sinnvoll und jeder hatte etwas aus dem Gespräch mitgenommen, das ihn zum Nachdenken anregte. Und alle hatten mindestens eine Sache gelernt: dass alle Menschen gleich sind und einander helfen können, ganz egal welcher Hautfarbe oder Religion sie sind. Das haben Salomea und Inge ihnen bewiesen.

Maria Erdmann, Klasse 9c

© 2009, Staatliches Gymnasium Arnstadt.

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Artikel erstellt: Freitag, 3.April 2009, 15:37 Uhr• Kategorie: Artikel

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